Bereits kurz nachdem Tejo Remy sein Studium an der Hoogeschool voor de Kunsten in Utrecht
beendet hatte, machte er mit seiner zu Beginn der 1990er Jahre radikalen Idee von Recycling
als Design-Impulsgeber von sich reden und zwei seiner zu dieser Zeit entstandenen Entwürfe
wurden weltberühmt: der ‚MilkbottleChandelier‘ und ‚You Can´t Lay Down Your Memories‘ .
Diese aus billigen und wiederverwerteten Gegenständen zusammengefügten Objekte -alten
Milchflaschen, einfachen Glühlampen und Elektrokabeln für seine dennoch opulente Hängelampe
und ausrangierten Schubladen, einfach getischlerten Holzboxen plus simplem Spanngurt für
seine imposante Kommode - waren nicht nur wegen des damals im Aufkommen begriffenen
Nachhaltigkeitsgedanken im Trend, sondern brachen mit den Regeln eines allzu glatten, keine
Gebrauchsspuren zulassenden Design-Stils.
Diese sowohl ästhetisch überzeugenden als auch
humorvollen, den Intellekt ansprechenden Objekte waren auch insofern innovativ, als jedes
einzelne von ihnen schon rein materialbedingt Unikatcharakter besaß, keine Massenproduktion
zuließ und somit auf der unscharfen Grenze von Design und Kunst seinen Platz behauptete.
Oder wie er selbst sagte, Design sei angewandte Kunst und Kunst sei Design ohne Funktion.
Mit seinem ehemaligen Studienkollegen Réné Veenhuizen gründete er zur Jahrtausenwende ein
Design-Studio, das nach einer von der Figur des Robinson Crusoe inspirierten Philosophie arbeitet,
hatte sich jener Gestrandete doch sein neues Paradies aus dem gestaltet, was er auf seiner Insel
an Materialien vor- oder vom verunglückten Schiff wiedergefunden hatte. |
 |
Aus preisgünstigen, sehr flexiblen Bambuslatten kreierten sie z.B. ihren sehr leichten ‚Bamboo
Chair‘. Dessen zum Halbrund gebogenen Streben sind wie bei einem Korb aneinandergefügt. Er
ist durch diese einfache Technik stabil und wirkt trotz seiner Größe filigran und sehr elegant.
Ihren ‚Accidental Carpet‘ recycelten sie aus vielfarbigen Wolldecken, die in schmale Streifen
geschnitten, gefaltet und dann in runden, wuchernden Formen wieder zusammengenäht wurden. Dieser ursprünglich für ein Epilepsie-Zentrum entworfene Teppich sollte in erster Linie die
sturzgefährdeten Patienten vor einem harten Aufprall schützen, aber sein Design zitiert auch vage
einen Querschnitt durch das Gehirn.
Aber das Team geht sogar noch weiter, zur Zeit recycelt es auch alte Design-Ideen. Die in den
frühen 1970er Jahre entwickelten Möbel aus aufblasbarem Vinyl standen Pate für eine Serie von
Bänken und Sesseln, dochdie fertigen Objekte haben nur noch im Entferntesten mit ihren
Vorgängern etwas gemeinsam.
Die beiden Niederländer füllten die Plastikhüllen nämlich nicht mit
Luft, sondern mit bis zu 175 Pfund Beton und nach der Aushärtung entfernten sie die Hüllen. Diese
Möbel sind weder quietschbunt und feuerempfindlich, noch sind sie leicht oder geben dem Gewicht
der Benutzer nach wie vor fast 40 Jahren, vielmehr sind sie nun matt grau, robust und eher harte
Schwergewichte.
Nach Meinung von Remy und Veenhuizen hat Design in dieser von Massenprodukten überfluteten
Welt vor allem die Aufgabe, den Geist des Betrachter aufzurütteln, und diesem Ethos werden sie
mit ihren überraschenden, intelligenten Objekten voll und ganz gerecht. |